Viele Geräte haben ein Problem: Die Software. Hersteller kreieren ein Produkt und fesseln es dann mit einer proprietären Firmware, die nicht erlaubt, dass das Gerät kann was es kann sondern nur das was der Hersteller erlaubt. Zudem kommt, dass viele Hersteller kein Geld in weiteren Support älterer Hardware stecken wollen, sonder ihre Programmierer lieber auf neue Geräte ansetzen. Möchte man also eine neue Funktion, die zwar technisch Möglich ist aber Softwaretechnisch trotzdem nicht unterstützt, muss man sich ein neues Gerät kaufen. Das ist aus Kunden- und Umweltsicht schade, denn so landen noch nutzbare Geräte auf dem Müll aber die Hersteller freuen sich, da so Geld in ihre Kassen gespült wird. Möchte man sich also nicht den Restriktionen der Hersteller beugen bleibt einem nichts anderes übrig, als auf Garantien zu verzichten und zu rooten, jailbraken, debranden oder anderweitig von den auferlegten Fesseln zu befreien.image0 Entweder werden eingebaute Sperren der Hersteller gelöscht oder umgangen oder gleich eine alternative Firmware aufgespielt.
Am Ende sind nämlich viele Geräte auch nichts anderes als ein kleiner Rechner, mit CPU, Arbeitspeicher und Anschlüssen auf einer Platine und so kann man in vielen Fällen eine Software basierend auf einem Linuxkernel über die Updatefunktion oder eine Hintertür einschleusen und aufspielen. In den meisten Fällen verliert man die Garantie aber gewinnt eine Fülle von neuen Funktionen. Bei alten Geräten lohnt es sich in jedem Fall, bei neueren muss man abwägen, denn die Gefahr, dass man das Gerät “brickt” und es so unbenutzbar macht besteht in jedem Fall.
In meinem Fall ging es um einen Router der Firma Belkin F7D4301. Die Packung verspricht großmächtig alles Mögliche, aber für viele Dinge ist eine Windowssoftware nötig oder es funktioniert gleich gar nicht richtig. So soll der Router z.B. Torrents herunterladen können, wenn der Rechner aus ist. Mein Test unter WindowsXP zeigte aber, dass das auch mit der mitgelieferten Software nicht funktioniert und zahlreiche Forenbeiträge scheinen das zu bestätigen. Viel Zeit habe ich diese Tests nicht investiert, denn ich will ja den Router befreien und eine andere Software aufspielen.
Für viele Router gibt es diverse Alternativen. Der Klassiker ist sicher OpenWRT, aber Tomato scheint einfacher zu konfigurieren sein, wenn man sich auf der Konsole nicht so auskennt.
image1Der Belkin F7D4301 wird von dd-wrt unterstützt. Dafür muss man das build von eko nutzen. Laut seinem Foren-Beitrag, soll man nicht per GUI, sondern per Mini CFE-Server die Firmware auf den Router aufspielen. Leider führte die Erklärung “(press wps button, plug in power, keep it pressed for 6-7 s, open browser at 192.168.2.1.) nicht zum gewünschten Erfolg und der CFE-Server startete einfach nicht. (Update: Anleitung zum Start des MiniCFE) Das einspielen, des mini-builds über das Webinterface des Routers funktionierte aber ohne Probleme und auch das Upgrade auf die komplette Version war unproblematisch.
Der Router läuft nun stabiler, das WLAN-Netz bricht nicht so häufig ab und die Feature-Liste macht jeden Technikjunkie glücklich.
Für mich ein echtes Highlight ist der CRON-Dienst. So kann man alle möglichen Zeitgesteuerten Abläufe einfach realisieren. Nachts ist das WLAN z.B. aus und Transmission ist an. So bekommt man die von Belkin versprochene Funktionalität doch noch und der Router verteilt nachts (wenn ich die Bandbreite nicht benötige) brav Ubuntu-Images über das Torrentnetzwerk.
DD-WRT lohnt sich also wirklich, denn nun kann man recht einfach Programme auf dem Router aufspielen, hat Zugriff auf den Router per ssh und bekommt noch einige andere Vorteile. Der F7D4301 wird damit plötzlich wirklich zu einem guten Router im Heimnetzwerk.