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42 ist die Antwort – aber wie lautet die Frage?


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Aberkennen ist nicht genug – Warum der Kampf gegen Doping im Spitzensport zahnlos ist.

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Alle sportlichen Großereignisse dieses Jahres sind rum und ab jetzt kann man sich neben den Ligen erstmal nur auf den Wintersport freuen. Am spannensten war es natürlich neben dem Scheitern der Fußballnationalmannschaft den Kämpfen der Olympioniken in London beizuwohnen. Eines trübt den ungestörten Sportgenuss aber immer wieder: Schummeleien, Unsauberheiten und Doping. Denn man betrügt nicht nur die Konkurrenten, sondern genauso den jubelnden Zuschauer. Deswegen hat das IOC und die WADA die Kontrollen massiv verschärft und während der Spiele fast 6000 Proben analysiert. Knapp 50% aller Sportler müssen in den Becher pinkeln und jeder Gewinner muss ran. Trotzdem scheint das nicht alle abzuschrecken. Auch dieses Mal gab es mehrere positive Befunde und die Weißrussin Ostaptschuk erschlich sich sogar die Goldmedaille im Kugelstoßen. Das sind jedoch nur die, die auch erwischt wurden, denn im Entdecken von unerlaubten Substanzen hinkt man natürlicherweise immer ein wenig hinter her. Chemische Substanzen kann man zweifelsfrei erst detektieren, wenn sie dem Analysierenden auch bekannt sind. Modifiziert ein findiger Chemiker die leistungssteigernden Mittel entsprechend, kann man sie mit dem Standardtest nicht mehr so einfach nachweisen.

Im Kampf gegen Doping werden also zunehmend auch andere Methoden wichtig. Eine Möglichkeit ist das Markieren von Ausgangssubstanzen. So muss man nicht mehr das EPO direkt finden, sondern kann den schon bekannten Marker nachweisen. Das ist aber nicht ganz einfach, denn die Hersteller müssen mitspielen und der Marker darf nicht zu offensichtlich sein, denn sonst ist die ganze Aktion umsonst.
Und als letzte Möglichkeit bleiben noch klassische Ermittlungsmethoden. Zeugenbefragungen, Schriftverkehr usw. usf. Das Schöne an der Methode ist, dass sie auch noch nach Jahren erfolgreich sein kann und Dopingsünder überführt, die schon gar nicht mehr aktiv in diesem Sport (an der Weltspitze) mitmischen. Gerade eben wurde so der bis dahin erfolgreiste Radrennsportler Lance Armstrong als Betrüger enttarnt. Die USADA sagt in ihrer Pressemitteilung dazu:

The evidence shows beyond any doubt that the US Postal Service Pro Cycling Team ran the most sophisticated, professionalized and successful doping program that sport has ever seen.

Es ist also nicht nur so, dass ein armer kleiner Einzelsportler, um an der Weltspitze mitzuhalten im stillen Kämmerlein ein paar Tabletten einnimmt. Nein, ein ganzes Team nimmt mit Hilfe von Ärzten und sonstigen Mittätern geplant und bewusst leistungssteigernde Substanzen und betrügt im Kollektiv. Sie tun das nicht, weil ihnen der Sport und das Kämpfen in diesem so am Herzen liegt. Sie tun das, weil es Geld gibt. Geld für die Sieg- und Erfolgreichen. Der Spitzensport ist vom Geld durchdrungen und treibt ihn an, denn würde man in Olympiaden, Weltmeisterschaften und Touren nur ein Streiten um Ruhm und Ehre sehen, dann wäre das ziemlich naiv, denn es gibt genug Zeichen, dass das nicht so ist.

Wenn das aber so ist, ist Doping nicht nur ein Bagatelldelikt. Es wird nicht nur Jubel und Applaus – Ruhm und Ehre geklaut, sondern wirklich echtes Geld. Wer nicht vorne mitmischt, wird selten beachtet und Sponsorengelder, Beraterverträge und Preise wird er auch nie zu sehen bekommen. Wenn also die Armstrongs dieser Welt nach Jahren ihre Titel abgeben müssen, dann mag das vielleicht ein Knick in der Popularitätskurve und je nach Zeitpunkt auch das Ende oder eine Unterbrechung der sportlichen Karriere sein. Deswegen lebt der ehemalige Doplet aber immer noch ein (wirtschaftlich) gutes Leben.

Betrügern darf man nicht nur die Luft aus dem Reifen lassen, man muss ihnen das Rad unter dem Hintern wegpfänden. Dazu brauch man Zweierlei. Konsquente Strafverfolgungsbehörden, die Doping als (wirtschaftlichen) Betrug verfolgen und daraus erzielte Gewinne einklagen und strenge Veranstalter und Sponsoren die überführte Täter mit entsprechenden Vertragsstrafen belegen. Das Schreien nach härteren Strafen ist in vielen Fällen total fehl am Platz, aber die richtige Strafe einzufordern halte ich schon für richtig und wichtig. Das pure Entziehen der Reputation und Sperren zeugt einfach noch von dem zuvor beschriebenen naiven Blick auf den Sport in dem lauter holde Recken nur für Ruhm, Ehre und einen Palmzweig die Spielstätte betreten.

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2 Comments

  1. Der plötzliche Wandel des gefeierten Helden zum verteufelten Feind der Gesellschaft ist glaube ich nicht nur ein Schock für den Herrn Armstrong. Am schlimmsten dürfte es wohl die Familie treffen, die nicht nur unter den Vorwürfen des Vaters bzw. Ehemanns leiden muss, sondern nun auch gewisse Einbüße in ihrem Leben machen müssen. Nichtsdestotrotz bleibt Mitleid an dieser Stelle aus, da er mit seinem Betrug, und dem seiner Kollegen, eine Vielzahl von Menschen die Chance auf Erfolg genommen hat. Ich denke, dass er das schlimmste noch noch nicht bewältigt hat.

    Armstrong vor UCI-Urteil

    • Natürlich ist das auch irgendwie ein Schock für die Familie und das Umfeld, darum ging es mir aber nicht. Ich bin der Meinung, dass der eigentliche Gesichtsverlust im Sport nicht als Strafe ausreicht und das beziehe ich nicht auf den konkreten Fall Armstrong, sondern meine das ganz allgemein, denn soweit ich weiß wird Doping in vielen Ländern nicht als Betrug vor einem Strafgericht verhandelt, sondern nur durch die Sportgerichte geandet.

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