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42 ist die Antwort – aber wie lautet die Frage?


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Verantwortungsvolles Unternehmertum

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Zur Mittagspause möchte ich eine Nachricht des Handelsblattes aufnehmen. Thomas Mersch berichtet, dass Adidas nun Nike folgt und auf Leder verzichtet, dass im Amazonasgebiet produziert wurde. Die Sache kam durch einen Bericht von Greenpeace ins Rollen. Slaughtering the Amazon gibt es als PDF in der Kurzversion zum runterladen. Dem Bericht zufolge ist die Rinderzucht nicht nur für immensen CO2-Ausstoß verantwortlich sondern auch für 80% der Rodung im brasilianischen Urwald bzw. 14% weltweit.  Die Nutzung dieser Flächen senken die Produktionskosten erheblich und so gibt es nicht nur viel billiges Fleisch, sondern eben auch Leder. Davon profitieren große internationale Unternehmen, die dieses zum Beispiel für Schuhe verarbeiten. Nike hat auf diesen Bericht hin angekündigt, dass sie auf Leder von Lieferanten verzichten wollen, die – nach sozialen und ökologischen Gesichtspunkten – mehr als problematisch produzieren.

Greenpeace nahm diese Ankündigung positiv auf und so sagte deren Waldexperte Oliver Salge auf greenpeace.de:

Nike macht das einzig Vernünftige und lehnt die Zerstörung des Amazonas schlicht ab. Andere Schuhhersteller wie Adidas, Clarks und Geox sollten sich daran ein Beispiel nehmen und für den Konsumenten nachvollziehbar sicherstellen, dass ihre Schuhe nicht die weitere Zerstörung des Amazonas fördern. Es wird endlich Zeit für eine Politik der Null-Entwaldung.

Adidas hat nun auch angekündigt, dass sie kein Leder aus dem Amazonasgebiet verwenden und, laut Handelsblatt, ein Kontrollsystem binnen eines Jahres aufbauen wollen. Adidas scheint also nicht nur um das soziale, sondern auch das ökologische Image bemüht zu sein. So schnitten die Laufschuhe im test 06/2009 am Besten ab und das Unternehmen entwickelt sich wohl zu einem Verantwortungsvollen.

Was umweltverträgliche Produktion angeht muss der fränkische Sportartikelhersteller noch einiges nachlegen. Oben zitierten Experten geht die Ankündigung nicht weit genug:

Zwar begrüßt Greenpeace den Schritt von Adidas, Lederprodukte abzulehnen, die mit der Zerstörung des Regenwaldes in Verbindung gebracht werden können. Dennoch greift die neue Richtlinie in einem wichtigen Punkt zu kurz: Adidas setzt seinen Lieferanten keine Frist zur Beendigung der Urwaldzerstörung. Es ist möglich, dass Adidas immernoch Leder für Sportschuhe von Lieferanten kauft, die die Urwälder für neue Rinderweiden weiter zerstören und einfach bloß Adidas mit Rindsleder aus anderen Gebieten beliefern.

Man kann nur hoffen, dass nun auch andere Unternehmen wie Adidas, Nike und Geox handeln und nachziehen.  Außerdem wäre eine unabhängige Kontrollstelle sinnvoll. Diese könnte Produkte entsprechend zertifizieren.

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4 Comments

  1. Mal ehrlich : ist doch alles heiße Luft. So lange ist es noch nicht her, dass bekannt wurde, das Adidas seine Fußbälle unter unmenschlichen Bedingungen von Kinder bzw. Frauen fertigen lies, die selbst bei Krankheit arbeiten mussten oder den Job verloren. Aufgedeckt nur durch einen Todesfall. Ebenso bekannt sollte sein, dass viele (Leder)-Schuhe aus chinesischer Produktion mit Giften wie Blei belastet sind.

    Letztendlich kauft man – mit hoher Wahrscheinlichkeit – das Leder nun in Italien von einem Großhändler, der es von einem Händler aus Afrika hat, der es günstig aus dem Amazonesgebiet hat…

    Ein wirklicher Verbraucherschutz existiert nicht und wird auch solange nicht existieren wie der Mensch letztendlich nach dem Preis einkauft und nicht nach anderen Kriterien. Nicht umsonst besitzen alle großen Unternehmen Ihre PR Abteilungen um obige Meldungen öffentlichkeitswirksam zu publizieren. Somit gerät die Frage wo und wie eigentlich der Schuh hergestellt wird schnell in den Hintergrund.

    • Tja da gebe ich dir im Großen und Ganzen Recht. Dennoch bin ich der Meinung das es ein Schritt in die richtige Richtung ist (oder ein Schrittchen). Als Kunde kann man leider gar nicht einsehen woher was kommt. Man müsste vor jedem Schuhkauf mehrstündige Recherchen durchführen und käme wahrscheinlich doch nicht hinter die Produktionswege.
      Deswegen meine Forderung nach einer ordentlichen Zertifizierungsstelle, die einem als Kunden zumindest einen Anhaltspunkt gibt.

  2. Hallo,
    es ist immer sehr einfach nach einer “Zertifizierungsstelle” zu schreien. Dennoch sollte man nicht außer Acht lassen, dass wir alle mündige Bürger sind und seit Jahren die Möglichkeiten haben objektive Entscheidungen zu fällen.

    Auf jedem Schuhkarton steht drauf, wo das Innenleben gefertigt wurde. In jedem T-Shirt und in jedem Hemd findet sich nicht nur die Information wie gewaschen werden sollte, sondern auch der Hinweis in welchem Land die Ware gefertigt wurde.

    Sieht man einmal von Lebensmitteln ab, so ist es für den Verbraucher heute ein leichtes zu erfahren woher die Produkte kommen und dementsprechend das Kaufverhalten abzustimmen.

    Es macht nur keiner, weil es keinen interessiert. Es wird permanent nach besseren Löhnen geschrien. Permanent höhere Renten und höhere Hartz IV Sätze gefordert. Gefordert und verlangt wird gerne – wenn es jedoch darum geht überhaupt einmal die Grundlagen dafür zu schaffen wird möglichst deutlich weggesehen – kann ja wer anders den ersten Schritt machen.

    Wir brauchen keine Zertifizierungsstelle, sondern endlich das Bewusstsein das jede Kaufentscheidung auch einen Einfluß auf den eigenen Lebensstandard hat. Aber machen wir uns nichts vor – ein paar wenige Gutmenschen reichen natürlich nicht aus um etwas zu ändern.

    75% der verkauften Schuhe kommen aus dem asiatischen Raum, bei einem Umsatz von über 1,5 Milliarden Euro keine kleine Summe, die dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird.

    Kaum vorzustellen wie sich die ca. 80 (ja, mehr sind es nicht mehr) Schuhersteller in Deutschland freuen würden, wenn 15-25% aller Käufer eine bewusste Entscheidung nicht nur nach Optik, sondern auch nach Hersteller treffen würden. Von den dann neu geschaffenen Arbeitsplätzen, Sozialabgaben und Steueraufkommen ganz zu schweigen.

    Schuld an der jetzigen Situation, egal ob Arbeitslosenquote oder zu geringes Einkommen hat nicht nur der Staat, sondern in erster Linie (fast) jeder selbst. Einfach mal in den Kleiderschrank schauen (oder prüfen woher die Küchengeräte kommen, die Möbel, die Kuscheltiere für die Kleinen u.s.w.) und dann wird klar, warum wir so viele Menschen ohne Job haben.

    Jede Entscheidung die wir treffen, höhlt derzeit das Fundement aus, von dem wir alle noch recht gut Leben…

    • Und wieder kann ich dir Recht geben. Trotzdem mein Ruf nach einer “anständigen” Zertifizierungsstelle. Und zwar genau weil ich beim Kauf die richtige Entscheidung treffen möchte. Wenn ich auf das Schuhmaterial und vielleicht noch Herkunft schaue, kann ich immer noch nicht entscheiden, ob dies in Ordnung ist. Rindsleder aus Brasilien kann ebenso fair (ökologisch und sozial) hergestellt sein, wie europäisches unter massivem Einsatz von gefährlichen Chemikalien produziert sein kann.
      Ich brauche also jemanden, der jeweils vor Ort prüft unter welchen Umständen produziert wird.

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